Sivas
Namensherkunft
Über den Ursprung des Namen gibt es verschiedene Theorien:
- Der Name Subasa wird für die Stadt im Osten, wo der Fluss Maraschantia (Halys) seinen Ursprung hat, erstmals in den hethitischen Quellen erwähnt und bedeutet in Nesili, der Sprache der Hethiter und Luwier, "gesegneter Fluss".
- Nach der römischen Eroberung Anatoliens wurde die Stadt in Sebaste umbenannt. Sebaste stammt dann von der griechischen Form Σεβαστή, was dem lateinischen Augustus entspricht, ab. So wurde die Verehrung für den Cäsar Augustus bekundigt. Der antike griechische Name lautet Sebasteia, byznatinische und fränkische Quellen haben auch Sebaste.
Nach mehreren Volkssagen könnte der Name so entstanden sein:
- Bevor die Stadt gegründet wurde, gab es hier drei Quellen, die man Sipas suyu nannte. Nach dem eine kleine Siedlung rund um diese Quellen entstanden ist, wurde ihr der Name Sipas gegeben.
- Der Name soll von einem alten Volk mit dem Namen Sibasip abstammen.
- Der Name soll von dem persischen Ausdruck Se-bast abstammen. Se-bast bedeutet Drei Mühlen.
Neben dem Namen Sivas war der Ort und mehreren anderen Namen bekannt. Namen wie Talavra, Megalapolis, Karana und Diyapolis.
Bevölkerung
Heutzutage besteht die Bevölkerung überwiegend aus Türken und zu einem geringen Teil aus Kurden. Früher gab es in Sivas große christliche Minderheiten der Armenier und Griechen, von denen heute nur noch sehr wenige in der Stadt leben.
1914 hatte Sivas rund 45.000 Einwohner, mehr als ein Drittel waren Armenier, der Rest Griechen und Türken. Die Armenier hatten dort sechs Kirchen, ein Waisenhaus, ein Krankenhaus und mehrere Schulen. Die Katholiken hatten eine Kirche, die Protestanten verfügten über zwei Kirchen und acht Schulen.
Religion
Sivas ist einer der Städte, in der im Gegensatz zum Durchschnittswert viele Aleviten leben. Jedoch sind ca. 75% der Bevölkerung Sunniten und nur ca. 25% Aleviten und andere Minderheiten (Armenier, etc.)
Geschichte
Sivas Erstbesiedlung reicht bis 7000 bis 5000 v.Chr. zurück. Die Hethiter, deren Siedlungsreste bei Topraktepe nahe Sivas zu finden sind, herrschten hier von 1600 - 884 v.Chr., kurz danach die Phryger, die hier etwa 100 Jahre herrschten (800-695 v.Chr.). Die Phryger ihrerseits wurden später durch die Lyder abgelöst. Die Lyder verloren das Gebiet im Jahre 546 an die Perser. Das persische Reich wurde dann später von Alexander dem Großen unterworfen, so dass Sivas bis etwa 17 n.Chr. von den Diadochen bzw. den Griechen beherrscht wurde. Bis 395 war Sivas teil des römischen Imperiums, danach bis 1075 byzantinisch. Nachdem Basileios II. 1021 das Territorium von Sennecherim John, König von Vaspurakan in Armenien annektiert hatte, entschädigte er den König mit dem Territorium von Sebaste in Kappadokien. Sennecherim John zog mit seinem Hof nach Sivas und verwaltete sie als byzantinischen Vassalen.
Im 11. Jahrhundert tauchten die ersten türkischen Stämme in Anatolien auf. Von 1142 bis 1171 herrschte über Sivas die türkische Danischmenden-Dynastie. 1174 eroberten die Seldschuken unter Kılıç Arslan II. die Stadt und liessen unter anderem 1197 die Ulu Cami (Die große Moschee) errichten. Sivas diente neben Konya zeitweise als Hauptstadt der Seldschuken. 1232 wird Sivas so wie weite Teile Eurasiens von den Mongolen überfallen. 1398 eroberte Sultan Bayezid I. die Stadt, nur um sie 1400 an Timur Lenk zu verlieren. 1408 können die Osmanen sie aber zurück erobern. Sivas war bis zum späten 19. Jahrhundert Hauptstadt der osmanischen Provinz Rum.
Die Osmanen regierten bis zum ersten Weltkrieg die Stadt. 1915 wird Sivas einer der Schauplätze der Deportation der armenischen Bevölkerung. Nach der Niederlage des osmanischen Reiches im ersten Weltkrieg formiert sich unter Mustafa Kemal einen Widerstandsbewegung. Diese Gruppe hält in Sivas den Kongress Heyet-i Temiliye vom 4. bis 12. September 1919 ab und besprach hier wichtige Maßnahmen für die Widerstand gegen die allierten Besatzer. Seit 1923 ist Sivas Teil der türkischen Republik. 1993 ereignete sich der Anschlag auf das Madimak-Hotel.
Anschlag auf das Madimak-Hotel
Am 2. Juli 1993 versammelten sich islamische Fundamentalisten nach dem Freitagsgebet vor dem Madimak-Hotel, das direkt gegenüber einer Moschee lag, in dem zum grössten Teilalevitische Musiker, Schriftsteller, Dichter und Verleger logierten. Das Hotel wurde schließlich angezündet. Dabei wurden 37 Menschen verbrannt, der Autor Aziz Nesin, dem laut einigen Angaben der Anschlag in erster Linie gegolten hatte, überlebte jedoch. Wegen einer aufgebrachten wütenden Menschenmenge vor dem Hotel konnten die Bewohner des Hotels nicht ins Freie, bis sie schließlich vom Feuer eingeschlossen waren. Obwohl Polizei und Feuerwehr frühzeitig alarmiert waren, griffen sie erst nach acht Stunden ein. Das Staatsicherheitsgericht in Ankara kam zu dem Urteil, dass die große Menschenmenge die Feuerwehr bei den Rettungarbeiten behinderte.
Die Aleviten nennen diesen Anschlag das „Sivas-Massaker“. Auch wenn bei diesem Vorfall auch Sunniten und Angehörige anderer Nationen ums Leben kamen, sehen die Aleviten dieses Ereignis als einen Schlag gegen die alevitische Bevölkerung. Das Ereignis spielte eine wichtige Rolle bei ihrer Bewusstseins- sowie auch Organisationsbildung.
Sehenswürdigkeiten
Sivas bietet viele Bauwerke der Seldschuken aus dem 13. Jahrhundert. Darunter fallen die Mavi Medrese von 1271, die Sifaiye Medresesi von 1218 und die Çifte Minare Medresesi von 1271. Die älteste Moschee der Stadt ist die Ulu Cami von 1196. In der Nähe von Sivas liegt die Ruine der alten armenischen Kirche des Heiligen Kreuzes. Sie enthielt wichtige Relikte wie einen Thron.
Osmanische Bauwerke sind das Bad Kurşunlu Hamamı von 1576 und das Kervansaray Behrampaşa Hanı von 1573.
Das Kongressgebäude von 1919 ist das heutige Sivas Musuem, das neben diesem Kongress und Atatürk auch Auskunkft über die ethnogeographischen Besonderheiten der Region gibt.
Sivas ist auch für seine Thermalbäder berühmt. Bekannte Thermalbäder sind Sıcak Çermik, Soğuk Çermik und Kangal Balıklı Kaplıca.
Veranstaltungen
Asik-Veysel-Kultur- und Kunstfestival in Sarkisla: Am ersten Wochenende im Juli jeden Jahres